I. Pleyel (1757 - 1831)
Portrait von T. Hardy

Ignaz Joseph Pleyel – Komponist, Verleger und Klavierfabrikant

Der berühmte Konzertsaal „Salle Pleyel“ und die Klaviere der Firma Pleyel, die in einem Atemzug mit jenen aus dem Hause Bösendorfer oder Steinway genannt werden, sind jedem Musikliebhaber, aber vor allem jedem Pianisten ein Begriff. Frédéric Chopin schätzte den weichen Ton des Instruments und besaß auch selbst einen großen Flügel aus der Fabrikation Pleyel. Er gab sein Pariser Debüt im „Salon Pleyel“ und sein letztes Konzert in Paris in der wegen der unübertrefflichen Akustik geschätzten „Salle Pleyel“. Erst in den letzten zehn Jahren ist das Interesse an dem von der Musikforschung lange vernachlässigten Komponisten wieder erwacht. Zusehends werden erfreulicherweise auch seine Werke eingespielt und in Konzerten dargeboten.

Ignaz Joseph Pleyel wurde am 18. Juni 1757 in Ruppersthal bei Großweikersdorf (nördlich von Wien) geboren. Schon früh erhielt er vom Vater, einem Organisten und Lehrer, Musikunterricht. Seine Begabung bemerkend schickte man ihn nach Wien, wo er bis zum 15. Lebensjahr beim tschechischen Komponisten und Geiger Joseph Baptist Vanhal Unterricht nahm. Im Grafen Ladislaus Erdödy fand er seinen Mäzen und Mentor: Dieser schickte den jungen Niederösterreicher zu niemandem Geringeren als zu Joseph Haydn nach Eisenstadt.

Pleyels Lehrzeit fiel mit entscheidenden Jahren von Haydns eigener musikalischer Entwicklung zusammen. Angesichts der immer zahlreicher werdenden Auftragsarbeiten begann Haydn, einige an seine besonders talentierten Schüler, unter ihnen Pleyel, zu übertragen. Es kann daher angenommen werden, daß einige Werke von Haydn aus der Hand des jungen Pleyel stammen.

Erdödy unterstützte Pleyel auch bei seinen für das künstlerische Fortkommen wichtigen Kunstreisen nach Italien, wo er berühmte Musiker kennenlernte, unter ihnen Giovanni Paisiello, Domenico Cimarosa und Pietro Nardini, einem Tartini-Schüler, und sich mit ihnen befreundete.

Nach diesen italienischen Lehr- und Wanderjahren erfolgte 1783 die Berufung ans Straßburger Münsterkapellamt, die aber erst 1789, nach dem Tode seines Vorgängers Franz Xaver Richter, aktenkundig wurde. Unter Pleyels Leitung entwickelte sich die Münsterkapelle zu einem bedeutenden musikalischen Zentrum. Seine Anstellung verpflichtete Pleyel hauptsächlich, Kirchenmusik zu schreiben, dennoch fand er noch Zeit, sowohl Kammermusik als auch Kompositionen in symphonischer Besetzung zu komponieren. Die Straßburger Zeit läßt sich als seine fruchtbarste bezeichnen. Die meisten seiner Werke, wie auch die auf dieser CD eingespielten, entstanden in den Jahren 1787 bis 1795. Seine von Esprit geprägten Werke waren überaus beliebt und sehr verbreitet. Sein Ruf war jedoch nicht nur ein lokales Phänomen, sondern erstreckte sich auch ins übrige Frankreich bis nach England und Holland. Die Auflagen seiner Werke verbreiteten sich schließlich in ganz Europa und sogar bis nach Nordamerika.
1788 heiratete Pleyel die Tochter eines Teppichfabrikanten, Franziska Lefevre. Von den vier Kindern überlebte nur Camille.

Als die Münsterkapelle 1791 aufgelöst wurde, übersiedelte Pleyel mit seiner Familie nach London, wo er eingeladen wurde, die berühmten „Concerts Professionels“ zu dirigieren. Nach der Rückkehr nach Strassburg ließ er sich in Paris nieder, wo er sich als Verleger einen Namen machte. Besonders erwähnenswert ist die Herausgabe von Partituren im Kleinformat, gewissermaßen Vorläufer der Taschenpartituren. Diese Reihe begann 1802 mit vier Haydn Sinfonien und dessen Streichquartetten. Fünf Jahre später kam es zur Gründung der Klavierfirma, der „Maison Pleyel“. Sein Sohn trat sehr erfolgreich der Firma bei, später gesellte sich noch der bekannte Komponist und Pianist Friedrich Kalkbrenner dazu.

Pleyel schränkte in seinen letzten Jahren die kompositorische Tätigkeit weitgehend ein und widmete sich dem Verlagshaus. Er starb am 14. November 1831.

Im Schaffen Pleyels finden sich unter anderem zwei Opern (Die Fee Urgele, Iphigenie in Aulis), Sinfonien und vor allem ein umfangreiches kammermusikalisches Schaffen, darunter 48 Klavier-Trios.

Dr. Elena Ostleitner, Wien