Kammermusik des 18. und 19. Jahrhunderts

Das Pleyel Trio Wien
wurde als Klaviertrio im Jahr 1998 von dem kroatischen Pianisten Hrvoje Jugovic, dem deutschen Geiger Markus Hoffmann und dem österreichischen Cellisten Günther Schagerl gegründet.

An den heimatlichen Hochschulen für Musik ausgebildet, also in Zagreb, Köln und Wien, trafen sich die drei Musiker in der Metropole Österreichs mit dem gleichen Wunsch, die Musik der Klassik, also das Musikschaffen des 18. und des beginnenden 19. Jahrhunderts, auf Original-Instrumenten aufzuführen.

Der erste öffentliche Auftritt bot sich gleich im Jahr der Gründung des Trios anläßlich der Inauguration des Pleyel-Museums in Ruppersthal an, dem Geburtsort von Ignaz Pleyel (1757–1831), der zu seinen Lebzeiten ein wichtiger Komponist und Klavierbauer war – und auch ein Kosmopolit, der in Paris seine Fabrik für den Bau der Hammerklaviere gründete. Hierbei stellte das „Pleyel Trio Wien“ ein 1831 gebautes originales Instrument aus der Pleyel-Produktion vor.

Die weitere Tätigkeit des Trios mit seinem Repertoire-Schwerpunkt auf der Musik der klassischen Zeit entwickelte sich im Sinne einer Erweiterung des Repertoires mit der Suche nach vergessenen, heute nahezu unbekannten Namen der Komponisten dieser Zeit. So haben die drei Musiker, vor allem der Pianist Hrvoje Jugovic, mit grösster Neugierde in den Archiven, Bibliotheken und bei den Verlagen nach Partituren und Manuskripten von Klaviertrios unterschiedlicher Komponisten gesucht und diese aufgeführt. Nicht nur grosse Namen, wie etwa Haydn, Mozart oder Beethoven, standen im Zentrum ihres Interresses, ganz im Gegenteil: Auf den Programmen des „Pleyel Trios Wien“ finden sich vor allem weniger bekannte Komponisten aus Ländern der damaligen K. und K. Monarchie, wie z.B. aus Tschechien, Ungarn und Kroatien.

Wenn in Betracht genommen wird, dass es sich um das Jahrhundert der grossen französischen Revolution handelt, um eine Zeit, in der das sich emanzipierende Bürgertum die Gewohnheiten des aristokratischen Salons übernahm, um die Zeit der Verbreitung und Demokratisierung der musikalischen Ausbildung überhaupt, im Falle der Musik um eine im kompositorischen Bereich bedeutende Stiländerung, und im sozialen um eine Verbreitung und Vergrösserung des Bedarfs nach Musikwerken (vor allem dann auch auf dem Bereich des kammermusikalischen Schaffens), muss festgestellt werden, dass die „zeitgenössische“ europäische Musikproduktion des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts bedeutend grösser und in den verschiedenen nationalen Kulturen weiter entwickelt war, als es die heutigen Konzertprogramme zu verstehen geben. Also ein breites Forschungsfeld für Musiker, die die Werke auf authentischen Instrumenten und in möglichst originalgetreuer Interpretation den heutigen Musikliebhabern vorstellen wollen.

In unserer Zeit, in der so viel und mit grosser Begeisterung von kultureller Vielfalt gesprochen und geschrieben wird, ist die Tätigkeit des Pianisten Hrvoje Jugovic, des Geigers Markus Hoffmann und des Violoncellisten Günther Schagerl, die sich im „Pleyel Trio Wien“ zusammenfinden, ein willkommenes Beispiel für das proklamierte Ideal der Gegenwart. Mit ihrem Musizieren beleben sie die Präsenz einer Zeit, in der der Multikulturalismus und harmonisierende Musik im klassischen Stil eine Realität war.

Dr. Zdenka Weber, Zagreb
 



Hrvoje Jugovic, Klavier
Geboren in Zagreb. Klavierstudium an der Musik-Akademie in Zagreb bei Jurica Murai und an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien bei Noël Flores. Hammerklavier bei Malcolm Bilson, Bart van Oort und Jörg Demus. Solistische und kammermusikalische Konzerte.
Markus Hoffmann, Violine
geboren in Siegen, Studium an der Musikhochschule Köln bei Franzjosef Maier und an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien bei Josef Sivo. Seit der Gründung 1985 regelmäßig bei Concerto Köln tätig.
Günter Schagerl, Violoncello
Geboren in Niederösterreich. Musikalische Ausbildung am Konservatorium der Stadt Wien bei Josef Luitz und dem Altenberg Trio Wien und an der „University of South Carolina“ bei Robert Jesselson. Meisterkurse bei Jaap ter Linden, Milos Mlejnik. Mitwirkung im Concilium musicum Wien.